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20.04.10

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Unter «Tuchschärer» sind Berufsleute zu verstehen, die nach heutigem Sprachgebrauch das gewobene Tuch ausrüsten: waschen, walken, pressen, glätten usw. Auch die «Schnyder» und «Kürsener» waren schon vor der Brunschen Zunftordnung genossenschaftlich organisiert. In der Schneiderlaube «im Schrötili» oberhalb der Marktgasse wurden schon 1273 Kleider feilgehalten und wohl auch hergestellt, und die Kürschner verkauften ihr Pelzwerk mindestens seit 1335 im sogenannten Kürschnerhaus am Münsterhof. 1452 war es noch in Betrieb, ging aber bald darauf an die Zunft der «Gartner, Oeler und Grempler» über, die von ihm den Namen zum Kämbel übernommen hat. Auch hier gründete die Zunftordnung der Schneider von 1336 somit weitgehend auf bereits Bestehendem.

Wo die Schneiderzünfter anfänglich zu Hause waren, ist, wie bei vielen andern Zünften auch, ungewiss. Die älteste bekannte Trinkstube der Schneider befand sich im «Bubnutz-Hus» (Münstergasse 25). Ab 1420 werden sie als Benützer des «Kleinen» oder «alten Schneggens» erwähnt, als dieser wegen des damals neu erstellten «neuen Schneggens» offenbar frei wurde. Ob sie ihn - er lag an der Ecke Marktgasse/Schneggengasse, unweit des heutigen Zunfthauses - gekauft oder nur gemietet haben, ist nicht auszumachen. Die Schneider waren ein «zügiges» Völklein. In dem 1510 gekauften Haus «zur Linde» an der Grossen Hofstatt (Münstergasse 23) hielten sie es nur gerade 6 Jahre aus, im Haus «zum schwarzen Horn» am Rüdenplatz (heute Nr.5), als Nachbarn der Constaffel und Zimmerleute, auch nur gerade 22 Jahre. 1538 tauschten sie dieses Haus gegen den Gasthof «zum gälen Schaaf» zuunterst an der heutigen Geigergasse um (Schifflände 22). Zuerst wurde das Erdgeschoss als Zunftstube hergerichtet, 1613 der erste Stock ausgebaut und 1682 der noch heute erhaltene Zunftsaal erstellt mit den Deckengemälden des Johann Balthasar Bullinger, 1744 ausgeführt. Rund 12 Jahre später schmückte der gleiche Künstler dann die Meise aus.

Zunft zum Schaaf hiess die Zunft zwar lange Zeit, doch hat sie nicht das Schaf in ihr Wappen aufgenommen, sondern die Schere der Schneider, das Fehfell der Kürschner und die Tuchschere.

Auch das Haus «zum gälen Schaaf» wurde 1798 verkauft, die Fahrhabe verteilt. Die 1802 rekonstituierte Zunft zog wieder auf Wanderschaft: Seehof an der Schifflände, alte Tonhalle auf dem heutigen Sechseläutenplatz, Rothaus an der Marktgasse, du Pont, Pelikan, Kaufleute und Urania hiessen die Stationen. 1938 konnten sie das ehemalige Wohnhaus des Bürgermeisters Rudolf Stüssi an der Stüssihofstatt (heute Nr.3) erwerben (es hiess seit 1637 «Zum Königstuhl») und an seiner Stelle ein eigenes Zunfthaus erstellen, das 1939 bezogen wurde.

Die Schneiderzünfter rühmen sich, mit Blick auf Evas Feigenblatt, gerne des ältesten Handwerks - einer der Ausflüsse einer gewissen Narrenfreiheit, die man ihnen gerne zugesteht und die an jedem Sechseläuten in irgendeiner Form immer wieder durchbricht. Die Heiligsprechung Karls des Grossen - er gilt, wenn nicht als Stifter, so doch als eifriger Förderer der Probstei Grossmünster - löste im 13. Jahrhundert einen eigentlichen Karl-Kult aus. 1233 erhielt das Stift einen Finger des Kaisers als Reliquie, und 1272 erklärte der Bischof von Konstanz Karls Geburtstag gar zum kirchlichen Feiertag. Die Schneider, die Karl den Grossen schon früh zu ihrem Schutzpatron erkoren hatten, feiern heute den 28.Januar mit einem «Carlimahl».

(Die obenstehenden Angaben wurden mit Dank dem Buch "Sechseläuten" entnommen, das im Orell Füssli Verlag Zürich erschienen ist und von den Textautoren Walter Baumann und Alphonse A. Niesper verfasst worden ist.)

 

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Diese Website wurde zuletzt aktualisiert 20.04.10