Unter «Tuchschärer» sind Berufsleute zu
verstehen, die nach heutigem Sprachgebrauch das gewobene Tuch
ausrüsten: waschen, walken, pressen, glätten usw. Auch die «Schnyder»
und «Kürsener» waren schon vor der Brunschen Zunftordnung
genossenschaftlich organisiert. In der Schneiderlaube «im
Schrötili» oberhalb der Marktgasse wurden schon 1273 Kleider
feilgehalten und wohl auch hergestellt, und die Kürschner
verkauften ihr Pelzwerk mindestens seit 1335 im sogenannten
Kürschnerhaus am Münsterhof. 1452 war es noch in Betrieb, ging
aber bald darauf an die Zunft der «Gartner, Oeler und Grempler»
über, die von ihm den Namen zum
Kämbel übernommen hat. Auch hier gründete die Zunftordnung
der Schneider von 1336 somit weitgehend auf bereits Bestehendem.
Wo die Schneiderzünfter anfänglich zu Hause waren, ist, wie
bei vielen andern Zünften auch, ungewiss. Die älteste bekannte
Trinkstube der Schneider befand sich im «Bubnutz-Hus»
(Münstergasse 25). Ab 1420 werden sie als Benützer des «Kleinen»
oder «alten Schneggens» erwähnt, als dieser wegen des damals neu
erstellten «neuen Schneggens» offenbar frei wurde. Ob sie ihn -
er lag an der Ecke Marktgasse/Schneggengasse, unweit des
heutigen Zunfthauses - gekauft oder nur gemietet haben, ist
nicht auszumachen. Die Schneider waren ein «zügiges» Völklein.
In dem 1510 gekauften Haus «zur Linde» an der Grossen Hofstatt
(Münstergasse 23) hielten sie es nur gerade 6 Jahre aus, im Haus
«zum schwarzen Horn» am Rüdenplatz (heute Nr.5), als Nachbarn
der Constaffel und
Zimmerleute, auch nur
gerade 22 Jahre. 1538 tauschten sie dieses Haus gegen den
Gasthof «zum gälen Schaaf» zuunterst an der heutigen Geigergasse
um (Schifflände 22). Zuerst wurde das Erdgeschoss als Zunftstube
hergerichtet, 1613 der erste Stock ausgebaut und 1682 der noch
heute erhaltene Zunftsaal erstellt mit den Deckengemälden des
Johann Balthasar Bullinger, 1744 ausgeführt. Rund 12 Jahre
später schmückte der gleiche Künstler dann
die Meise aus.
Zunft zum Schaaf hiess die Zunft zwar lange Zeit, doch hat
sie nicht das Schaf in ihr Wappen aufgenommen, sondern die
Schere der Schneider, das Fehfell der Kürschner und die
Tuchschere.
Auch das Haus «zum gälen Schaaf» wurde 1798 verkauft, die
Fahrhabe verteilt. Die 1802 rekonstituierte Zunft zog wieder auf
Wanderschaft: Seehof an der Schifflände, alte Tonhalle auf dem
heutigen Sechseläutenplatz, Rothaus an der Marktgasse, du Pont,
Pelikan, Kaufleute und Urania hiessen die Stationen. 1938
konnten sie das ehemalige Wohnhaus des Bürgermeisters Rudolf
Stüssi an der Stüssihofstatt (heute Nr.3) erwerben (es hiess
seit 1637 «Zum Königstuhl») und an seiner Stelle ein eigenes
Zunfthaus erstellen, das 1939 bezogen wurde.
Die Schneiderzünfter rühmen sich, mit Blick auf Evas
Feigenblatt, gerne des ältesten Handwerks - einer der Ausflüsse
einer gewissen Narrenfreiheit, die man ihnen gerne zugesteht und
die an jedem Sechseläuten in irgendeiner Form immer wieder
durchbricht. Die Heiligsprechung Karls des Grossen - er gilt,
wenn nicht als Stifter, so doch als eifriger Förderer der
Probstei Grossmünster - löste im 13. Jahrhundert einen
eigentlichen Karl-Kult aus. 1233 erhielt das Stift einen Finger
des Kaisers als Reliquie, und 1272 erklärte der Bischof von
Konstanz Karls Geburtstag gar zum kirchlichen Feiertag. Die
Schneider, die Karl den Grossen schon früh zu ihrem Schutzpatron
erkoren hatten, feiern heute den 28.Januar mit einem «Carlimahl».